Gesunde Seele – gesunde Beziehungen

Eine verwundete Seele schmerzt einen selbst, trübt die Beziehungen zu anderen Menschen oder erschwert sie beträchtlich. Wie können Seelenwunden heilen?

Lebenswunden

Wir alle kennen alltägliche seelische Verletzungen, wenn uns zum Beispiel die Nachbarin nicht grüsst, obwohl wir ihr einen guten Tag gewünscht haben. Vielleicht schmerzt es uns oder wir ärgern uns darüber. Meist ist es rasch wieder vergessen und wir gehen zum nächsten über. Das ist eine funktionierende Form der Selbstheilung, um den Schmerz zu lindern und die Verletzung zu heilen.

Anders ist es bei tieferen Verletzungen in der Seele. Gehen beispielsweise langjährige Beziehungen zu Ende oder erleben wir Vertrauensmissbrauch, ist der seelische Schmerz entsprechend grösser. Noch schwerer wiegen Vernachlässigung durch Fürsorgepersonen in der Kindheit, fehlende Anerkennung oder körperliche oder seelische Gewalt. Hier sprechen wir von Lebenswunden. Bei solchen versagt der „Selbstheilungs-Mechanismus“.

Das Leben wird eingeschränkt, behindert oder absorbiert. Oft spiegelt sich dies in unseren Beziehungen wider. Es kommt zu Missverständnissen oder Misstrauen bis zum Beziehungsabbruch. Darunter leiden wir selbst und andere um uns herum.

Unsere Seele versucht, durch Wiederholung und nochmals erleben die Lebenswunde zu heilen. Vielleicht kennen wir solches aus Träumen oder dem tatsächlichen Leben. Rückblickend erkennen wir sich wiederholende Ereignisse mit demselben Ausgang, wie ein Muster. Sie können Versuche unserer Seele darstellen, in welchen sie sich durch Re-Inszenierung eine Auflösung erhoffte.

Leider ist die resultierende Erfahrung oft dieselbe. Die Lebenswunde vertieft sich. Der Schmerz verstärkt sich. Wir gelangen zu lebensbestimmenden Entscheidungen und Festlegungen, wie z.B. „Traue keinem Menschen!“, „Am Ende wirst du eh verlassen!“, „Keiner sieht dich!“, usw.

Heilungsprozess

Die Bibel zeigt uns einen anderen Weg, wie Lebenswunden tatsächlich heilen. Sie offenbart uns den Weg der Vergebung und ruft zur Versöhnung auf.

Ursache unserer Lebenswunden ist meist die Sünde, was übersetzt Zielverfehlung bedeutet. Sie ist wie Gift, das Leben vergiftet: das eigene und das der anderen. Andere Menschen haben in unserem Leben versagt, ihre Verantwortung nicht wahrgenommen, uns bewusst oder unbewusst Schaden zugefügt. Fremde Schuld haftet uns an und verbindet uns auf schädliche, toxische Weise mit den Schuld-Verursachern.

Um künftig Verletzung zu vermeiden und Schaden abzuwenden, haben wir uns selbst zu schützen versucht. Wir haben uns bemüht, unsere Bedürfnisse selbst zu stillen. Zum Beispiel durch Rückzug haben wir selbst unsere Verantwortung nicht wahrgenommen. Dadurch sind wir schuldig geworden gegenüber Gott, anderen Menschen und uns selbst. Das kennzeichnet Eigene Schuld. Auch sie belastet und vergiftet unsere Beziehungen.

Die Seelensprache ist eine einfache: sie fragt, WER hat WAS gemacht? Wer ist verantwortlich für die Lebenswunde? Allzu oft versuchen wir andere und uns selbst zu entschuldigen und das Verhalten zu erklären. Doch das ist „falscher Trost“ und hilft uns nicht. Wir sind dazu aufgefordert hinzuschauen. Das ist oft mit Schmerz und Trauer, vielleicht mit Wut oder Angst verbunden.

3-Schritte-Modell©

Daniel Zwahlen, Pastor in der BewegungPlus Aarau West, hat das 3-Schritte-Modell© entwickelt, ein Seelsorge-Modell. Es beschreibt, wie Lebenswunden heil werden können. Wie sieht ein solcher Seelsorge-Prozess praktisch aus?

Er beginnt mit der Bereitschaft, das eigene Leben anzuschauen, und zwar von seinem Beginn an. Die ersten Lebenswunden sind oft die tiefsten. Spätere Ereignisse knüpfen daran an und vertiefen die Wunden. Deshalb beginnt das Modell bei der Geburt, betrachtet die Kindheit und Adoleszenz mit dem Fokus auf Lebenswunden, die heute noch schmerzen. Was bereits heil geworden ist, lässt uns freuen und Gott dafür danken.

Konkret lässt sich die ratsuchende Person von zwei Mitarbeitenden des Seelsorge-Teams begleiten: die eine führt das Gespräch mit Fragen, die andere notiert sich die Ereignisse, Namen der Verursacher und den Schuldbegriff. Es werden zwei Listen geführt: Fremde Schuld und Eigene Schuld. Es empfiehlt sich mit der Fremden Schuld zu beginnen. Der Zugang dazu ist oft einfacher. Es wird das wiederkehrende Muster sichtbar, wie ein roter Faden, der sich durch das Leben zieht. Viel leichter lässt sich anschliessend die Eigene Schuld erkennen als Reaktion darauf. Das Führen dieser Listen stellt den ersten Schritt im 3-Schritte-Modell© dar.

Das Herausarbeiten der Schuldbegriffe ist oft sehr erhellend. Meist hat sich der Ratsuchende die Frage nach der Schuld noch nie wirklich gestellt. Einen Namen dafür zu finden und den Verursacher zu benennen, ist oft entlastend. Der „Nebel des Undefinierbaren“ lichtet sich.

Das Gebet stellt den zweiten Schritt im Modell dar. Meist wird allzu schnell dazu aufgefordert zu vergeben, noch bevor die Seele ihre „unerhörte“ Geschichte erzählen durfte. Deshalb wird die ratsuchende Person eingeladen, vor Gott die Schuldverursacher anzuklagen. Im Gebet darf die Schuld sowie die schuldige Person benannt werden. Der Schmerz und die damit verbunden Gefühle dürfen ausgesprochen werden. Hat die ratsuchende Person angeklagt, wird sie eingeladen, zu vergeben. Das bedeutet, sich davon zu lösen und das Gericht, unseren Wunsch nach Rache, Gott zu übergeben. Jesus am Kreuz hat die Strafe für die Schuld getragen und ist dafür gestorben. Mit dem Blick auf Jesus ist es uns möglich, den Schuldnern zu vergeben, wie uns selbst vergeben wurde.

Bei der Eigenen Schuld bekennt der Ratsuchende vor Gott seine eigene Schuld und die Personen, denen gegenüber er schuldig geworden ist. Er bittet um Vergebung und empfängt sie von Gott, durch die begleitenden Mitarbeiter zugesprochen.

Beides erleben Ratsuchende als entlastend, befreiend und heilsam. Meist haben sie es in dieser Form noch nie erlebt. Da sie es nicht allein für sich durch gebetet haben, können ihr nun zwei andere Glaubensgeschwister als Zeugen dienen und sie daran erinnern.

Der dritte Schritt im Modell ist schliesslich das Gebet um Heilung der Lebenswunden und um Wiederherstellung der ursprünglich guten Schöpfung Gottes. Die beiden Mitarbeiter bitten Gott darum, dass Er die seelischen Wunden schliesst und heilt, dass Er die Mängel ausfüllt, die hinterlassen wurden, dass Er nun schützt und dem Leben seinen Weg bahnt. Die Mitarbeitenden segnen die ratsuchende Person.

Alltägliche Praxis

Was in diesem 3-Schritte-Modell© im Raum der Seelsorge praktiziert wird, möchte auch im alltäglichen Leben angewendet werden. Praktisch bedeutet das, Fremde Schuld, die an uns geschieht, vor Gott anzuklagen, zu vergeben und die verantwortlichen Menschen aus unserer Anklage zu entlassen. Es heisst auch, die eigene Schuld vor Gott zu bekennen, um Vergebung zu bitten und zu empfangen. Betrifft es andere Menschen dürfen wir auch sie um Vergebung bitten oder die Sache klären.

So umgesetzt wird das 3-Schritte-Modell© zu einem Werkzeug für tatsächliche Wundheilung seelischer Verletzungen. Wir werden versöhnt mit uns selbst, unserer Geschichte, mit anderen Menschen und mit Gott. Leben kann sich entfalten und Neues schaffen. Beziehungen können gesunden, Liebe kann fliessen und ihre guten Früchte tragen. Dies alles ehrt Gott.

Marco Wahrenberger, 16.8.2026

Vertiefende Informationen sind auf d-psychologie.com zu finden, der Website von Daniel Zwahlen, Entwickler des 3-Schritte-Modells©.

Solche 3-Schritte-Prozesse bietet mentoring4u im Rahmen der Seelsorge-Praxis an. Interessierte buchen bitte online einen Termin für ein Erstgespräch. Ein Erstgespräch kostet CHF 50.- und ist unverbindlich.